Wer sich mit historischen Steyr-Traktoren beschäftigt, stößt schnell auf eine Vielzahl von Zahlen, Buchstaben und Spitznamen. Warum spricht man vom "15er", obwohl der Traktor eigentlich Typ 80 heißt? Was steckt hinter dem "Kurzschnauzer"? Und weshalb kann ein Traktor sowohl als 50er als auch als 650er bezeichnet werden?
Hinter diesen unterschiedlichen Bezeichnungen steckt durchaus ein System. Wir zeigen die wichtigsten Steyr-Modelle und erklären, was sich hinter den bekannten Namen und Kürzeln verbirgt.
Der legendäre 15er Steyr - Typ 80
Der Steyr Typ 80 zählt zu den bekanntesten Traktoren der Marke. Er kam 1949 auf den Markt und war mit einem Einzylinder-Dieselmotor ausgestattet. Während die ersten Modelle 13 PS leisteten, wurde die Leistung später auf 15 PS erhöht. Die 15 PS waren schließlich namensgebend für den bis heute bekannten "15er" Steyr. Mit rund 45.000 produzierten Exemplaren war der Typ 80 besonders erfolgreich und wurde für viele kleinere landwirtschaftliche Betriebe zum Einstieg in die Motorisierung.
Der Kurzschnauzer - Steyr 180
Der Steyr 180 wurde bereits 1947 vorgestellt und war der erste Traktor aus St. Valentin. Seine charakteristisch kurze und kräftige Motorhaube brachte ihm den Spitznamen "Kurzschnauzer" ein - optisch erinnert sie an die damaligen Steyr-Lastwagen. Auch bei diesem Modell gibt es unterschiedliche Bezeichnungen: Der ursprünglich 26 PS starke Zweizylinder wurde häufig als "26er" bezeichnet. Nach einer Leistungssteigerung auf 30 PS setzte sich der Name "30er" durch. Beide Namen beziehen sich somit auf den Steyr 180 in unterschiedlichen Leistungsstufen.
Die Jubiläumsserie - 86, 188, 190, 288 und 290
Um 1960 begann Steyr eine neue Generation von Traktoren, die später als Jubiläumsserie bekannt wurde. Namensgeber war das 100-jährige Firmenjubiläum im Jahr 1964. Zu den bekannten Modellen dieser Ära zählen unter anderem der 86, 188, 190, 288 und 290.
Eine Besonderheit ist der Steyr 86. Er wird in Übersichten häufig gemeinsam mit der Jubiläumsserie geführt, gehört technisch jedoch noch zur Baureihe 13. Der Einzylinder mit rund 18 PS nahm mit seiner modernen Gestaltung bereits das Erscheinungsbild der späteren Jubiläumsmodelle vorweg. Varianten wie der 86e, 86s und 86k deckten unterschiedliche Einsatzbereiche ab.
Das erste eigentliche Modell der Jubiläumsserie war der Steyr 188. Mit seinen 28 PS wurde er im Volksmund auch "28er" genannt. Die moderne Form mit der charakteristischen Wespentaille unterschied ihn deutlich von den älteren Baureihen. Außerdem verfügte der 188 erstmals bei einem Steyr-Traktor serienmäßig über eine Hydraulik.
Mit dem Steyr 190 folgte ein stärkeres Dreizylindermodell mit 36 PS. Darüber rangierten die Vierzylinder 288 mit 45 PS und 290 mit 50 PS. Damit bot die Jubiläumsserie Traktoren für unterschiedliche Leistungs- und Einsatzbereiche.
Die Plus-Serie - wenn ein Traktor zwei Namen hat
Ab 1967 folgte mit der Plus-Serie eine neue Generation mit einem deutlich kantigeren Erscheinungsbild. Das markante Design mit der weißen Motorhaube geht auf den französischen Designer Louis Lucien Lepoix zurück.
Bei dieser Serie sorgen die Modellnummern bis heute für Verwirrung. In Österreich wurden die Modelle beispielsweise als 30, 40, 50, 70 und 90 bezeichnet. Für den Export kamen teilweise dreistellige Bezeichnungen zum Einsatz (30=430, 40=540, 50=650, 70=870, 90=1090).
Hinter den unterschiedlichen Zahlen steckt also jeweils dasselbe Grundmodell. Dieses Wissen ist besonders hilfreich, wenn es um Ersatzteile, Betriebsanleitungen oder Werkstattliteratur geht.Die Baureihe 80 - vierstellige Modellnummern
Ende der 1970er Jahre führte Steyr die bekannten vierstelligen Modellbezeichnungen ein. Beispiele dafür sind 8045, 8080 oder 8180. Dabei sollte man die letzten beiden Ziffern nicht einfach mit der tatsächlichen Motorleitung gleichsetzen. Ein 8045 leistet beispielsweise rund 42 PS, während ein 8080 etwa 72 PS und ein 8180 rund 160 PS erreicht. Die Modellnummer dient vielmehr dazu, die jeweiligen Größen- und Leistungsklassen einzuordnen.
Mit zunehmender Modellgröße veränderte sich auch die Motorisierung. Kleinere Modelle wurden beispielsweise mit Dreizylindermotoren angeboten, während bei den größeren Varianten bis hin zum 8130 und darüber hinaus Sechszylinder zum Einsatz kamen.
Was bedeuten "a", "s", "n" und "k"?
Nicht nur die Zahlen, sondern auch die Buchstaben am Ende einer Modellbezeichnung liefern wichtigte Informationen über den jeweiligen Traktor:
- a = Allrad
- s = Schmalspurversion, beispielsweise für Wein- und Obstbau
- n = niedrige Ausführung, insbesondere für den Einsatz in Hanglagen
- k = Kommunalausführung
So kann beispielsweise ein 8080a nicht einfach mit einem normalen 8080 gleichgesetzt werden. Ebenso steht der 188n für eine spezielle niedrige Ausführung des 188.
Die genaue Modellbezeichnung ist entscheidend
Wer einen alten Steyr restauriert, Ersatzteile sucht oder die passende technische Dokumentation benötigt, sollte die exakte Modellbezeichnung kennen.
Schon kleine Unterschiede können entscheidend sein: Ein 540 entspricht beispielsweise dem 40er der Plus-Serie, während das "a" beim 8080a auf den Allradantrieb hinweist. Auch bei Schmalspur- oder Kommunalvarianten können sich technische Details unterscheiden.
Die Modellnummer ist deshalb weit mehr als eine einfache Bezeichnung. Sie hilft dabei, den jeweiligen Traktor eindeutig zu identifizieren und die passende Literatur, Ersatzteile und technischen Unterlagen zu finden.
Von den frühen 15ern und Kurzschnauzern über die Jubiläums- und Plus-Serie bis hin zur Baureihe 80 zeigt sich, wie sich die Steyr-Traktoren über Jahrzehnte weiterentwickelt haben. Wer die Systematik hinter den Zahlen und Buchstaben kennt, kann die historischen Modelle deutlich leichter zuordnen - und so manches Rätsel rund um die alten Steyr-Traktoren lösen.